| Gerätturnen

Stehende Ovationen für die Gerätturn-Seniorinnen

Obwohl unglücklicherweise die Deutschen Seniorenmeisterschaften im Gerätturnen gerade erst stattfanden, ließen es sich viele ältere Turnerinnen nicht nehmen, beim Landesturnfest in Weinheim um den Titel "Baden-Württembergische Seniorenmeisterin" zu kämpfen. Schade, dass mehrere Badenerinnen fehlten, die kürzlich bei den Deutschen ganz vorne lagen.

Foto: R. Kiefer

Die Seniorinnen mussten einen Kürvierkampf der Leistungsklassen 3 oder 4 turnen. Je nach Alter ging es auch statt auf den Schwebebalken auf die niedrigere Bank und statt des Stufenbarrens hatten sie es mit dem Parallelbarren zu tun. Die meisten Turnerinnen der Altersklassen 30 – 34 und 35 – 39 turnten auf einem deutlich höheren Niveau als es für eine LK3-Übung erforderlich ist. Teilweise turnen die Damen für ihre Vereine noch in Ober- und Verbandsligen. Die recht zahlreichen Zuschauer zogen ihren Hut vor den Darbietungen besonders der älteren Aktiven an den einzelnen Geräten und honorierten deren Leistungen mit stehendem Applaus.

Zu einem Kurzgespräch habe ich mir die älteste und die jüngste Starterin herausgepickt. Ellen Felkl (TSG Niefern) war mit 76 Jahren älteste Starterin. Sie begann mit dem Gerätturnen im Alter von 14 Jahren und bestritt als 16-Jährige ihren ersten Wettkampf. Im Turngau Pforzheim-Enz wurde sie mehrfach Gaumeisterin und Turnfestsiegerin. Viele Starts bei Landes- und auch auf Bundesturnfesten folgten, bis sie auch bei den Seniorenmeisterschaften an die Geräte ging und über viele Jahre erfolgreich war. Auch 2018 holte sie sich den Titel in Weinheim und landete bei den Deutschen in der Spitzengruppe. Für ihren Heimatverein war die ehrgeizige und fleißige Turnerin auch als Trainerin und Kampfrichterin aktiv.

Jüngste Wettkämpferin war mit gerade 30 Jahren Julia Schneid vom TV Epfenbach. Auf die Frage nach dem Unterschied zwischen den Wettkämpfen im Seniorenalter und als Aktive meinte Julia: "Hier ist alles lockerer und familiärer. Obwohl man sich auch konzentrieren und anstrengen muss, wird nicht mehr so heiß um die Zehntel gekämpft." Auch schon bei den Deutschen, wo sie Dritte wurde, stellte sie fest, dass im Seniorenbereich leichtere, sauber geturnte Elemente besser belohnt werden als bei den Aktiven. Sie und mehrere andere Starterinnen zeigten in ihren Übungen auch C- und D-Elemente aus dem CdP, die besonders am Boden und am Stufenbarren die Zuschauer zu Beifallsstürmen hinrissen.